Das Wichtigste in Kürze
Die Trepanation einer Kopfhöhle (Sinus frontalis,
Sinus maxillaris) ist beim Vorliegen eines Empyems indiziert. Der
Zugang erfolgt über das Heraussägen eines kreisrunden Knochenstücks mittels
Trepanationsbesteck. Anschließend kann die so eröffnete Höhle gespült
werden.
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Die sporadisch auftretenden, katharrhalisch bis eitrigen Entzündungen der Stirnhöhle (Sinus frontalis) können bei adulten Tieren nach Enthornung mit Eröffnung der Stirnhöhle oder aufsteigend über die mit ihr in Verbindung stehende Nasenhöhle entstehen. Durch die Entzündung schwellen die die Nebenhöhlen auskleidenden Schleimhäute an und be- oder verhindern den Abfluss von Exsudat über den Meatus nasofrontalis. Noch seltener kommt es zu Empyemen der Kieferhöhle (Sinus maxillaris), z.B. nach einer Zahnfachentzündung, perforierenden Verletzung oder aufsteigend über die Nasenhöhle. Mikrobiologisch werden T. pyogenes oder P. multocida nachgewiesen.
Die Erkrankung geht mit einseitigem katarrhalisch-eitrigen bis jauchig übelriechendem Nasenausfluss einher, in seltenen Fällen auch mit Störung des Allgemeinbefindens (Fressunlust, Benommenheit) und Fieber. Durch vergleichende Perkussion des Kopfes auf linker und rechter Seite kann eine Dämpfung auf der betroffenen Seite festgestellt werden (auch der Sinus frontalis ist zweigeteilt).
Zur Erhärtung eines Verdachts kann eine Röntgenaufnahme angefertigt werden.
In der Röntgenaufnahme (latero-lateraler Strahlengang, am stehenden Tier) ist deutlich ein horizontaler Flüssigkeitsspiegel im Sinus maxillaris erkennbar (an der Pfeilspitze).
Röntgenaufnahme M. Metzner
Sicheres Fixieren des Kopfes ist notwendig. Am sichersten ist es, das Tier für den Eingriff unter Injektionsanästhesie abzulegen. Vorbereitung des OP-Feldes.
Ist ein Empyem der Stirnhöhle nach einer Enthornung entstanden, sollte versucht werden, den Zugang zur Stirnhöhle über die Eröffnung der mehr oder weniger bereits verheilten Enthornungsstelle zu erreichen (Scharfer Löffel oder Trepan). Ist das Empyem Folge eines Hornzapfenbruchs, reicht es, das betreffende Horn abzusetzen und von der so eröffneten Stirnhöhle aus zu spülen.
Als Spezialinstrumentarium werden ein Trepan, eine Knochenschraube und ein Knochenhautlöser benötigt.
Links Trepan, rechts Knochenschraube
Sedation (Xylazin, 0,1 mg/kg i.m.) und Lokalanästhesie (ca. 20 ml, 2%ig) durch Infiltration des Trepanationsbereichs oder Injektionsanästhesie.
Lokalisation: Sinus frontalis: Verbindungslinie durch beide laterale Augenwinkel ziehen, unmittelbar rostral dieser Linie und ca. 3 - 4 cm lateral der Medianen. Sinus maxillaris: In der Mitte einer Verbindungslinie zwischen medialem Augenwinkel und Tuber malare.
Nach Inzision der Haut werden die Wundränder mittels Haltezügeln beiseite gezogen. Darauf wird das Periost in gleicher Weise inzidiert und nach dem Zurückschieben mittels Knochenhautlöser ebenfalls mittel Haltezügeln zur Seite gezogen. Nun wird der Trepan mit hervorragender Spitze aufgesetzt und durch schwenkende Bewegungen ein Loch vorgebohrt. Anschließend wird (mit weniger weit hervorragender Spitze) ein kreisrundes Knochenstück herausgesägt. Durch Einsetzen der Knochenschraube kann das Knochenstück herausgebrochen werden (es wird häufig durch darunter senkrecht ansetzende Querleisten fixiert, die mit dem Knochenstück herausgebrochen werden). Nach dem Spülen (z.B. mit einer Jod-Lösung) werden Periost und Haut wieder verschlossen. Das Einlegen eines abgeschnittenen Infusionschlauchs kann für spätere Spülung eingenäht werden.
Am Beispiel der Trepanation des Sinus maxillaris
Verbindungslinie zwischen medialem Augenwinkel und Tuber malare.
Infiltration des Ortes der Trepanation mit einem Lokalanästhetikum.
V-förmige Inzision der Haut.
Ein Hautlappen wird mittels Haltezügel beiseite gezogen, und die Knochenhaut wird mit dem Knochenhautlöser vom Knochen gelöst.
Die Knochenlamelle liegt frei.
Mittels Trepan wird die Knochenlamelle herausgesägt.
Herausgebrochenes Knochenstück..
Zugang zum Sinus maxillaris eröffnet, rotbraunes übel riechendes Sekret tritt aus.
Spülung des Sinus maxillaris mittels jodhaltiger Spüllösung, die Spüllösung tritt aus dem Nasenloch aus.
Vernähen der Knochenhaut mit eingelegtem abgeschnittenen Infusionsschlauch (Konus nach außen).
Hautverschluss mittels Knopfheften.
Mit einem zusätzlichen Heft wurde das Schlauchende an der Haut fixiert.
Verabreichung eines Antiinfektivums für mindestens 10 Tage, Fortführung der Antiphlogese nach Bedarf.
Spülen: alle 2 - 3 Tage über den eingenähten Schlauch, bis kein übel riechendes Sekret mehr aus den Nasenöffnungen austritt. Dann wird das Heft gelöst und der Schlauch entfernt.
Bei komplikationsloser Wundheilung können die Fäden 12 Tage nach dem Eingriff entfernt werden.
Wundinfektion, Rezidiv